Zur 75 - Jahr Feier stellen wir hier unsere Club - Chronik ein. Wir wünschen allen Interessierten viel Vergnügen!
1934 bis 2009 – 75 Jahre TC Rot-Weiß
| Turnierprogramm 1994 | Goldener Handschuh | ||||
Schon lange bevor der TC Rot-Weiß Erlangen e. V. am 18. Mai 1934 im Hotel „Kaiserhof“ in Erlangen gegründet wurde, wurde in unserer Stadt eifrig Tennis gespielt. So findet sich bereits im „Deutschen Lawn-Tennis-Jahrbuch“ des Jahres 1902 über Erlangen folgender Eintrag:
„Der 2 Hektar große Erlanger Universitäts-Spielplatz enthält gegenwärtig 3 Lawn-Tennis-Plätze, wovon 2 solid angelegt sind, der Dritte noch auf Rasen projektiert ist. Während des Sommersemesters 1901 waren alle drei an jedem Wochenende in der vom akademischen Senat festgesetzten Spielzeit 6.00 Uhr bis 8.00 Uhr abends regelmäßig von Studierenden der meisten Korporationen und von freien studentischen Spielergruppen abwechslungsweise besetzt...“
Im Jahre 1902 wurde übrigens auch der Deutsche Tennis Bund (damals „Deutscher Lawn-Tennis-Bund“) gegründet. Der Sohn eines der Gründungsmitglieder des DTB, Professor Rudolf Pummerer jun., sollte dann im Jahre 1934 zum ersten Vorsitzenden des TC Rot-Weiß gewählt werden.
Die Wahl von Professor Pummerer zum ersten Vorsitzenden fand auf der bereits erwähnten Gründungsversammlung des TC Rot-Weiß Erlangen am 18. Mai 1934 statt. Als stellvertretende Vorsitzende wurden die Herren Otto Lang und Otto Dustmann von den Mitgliedern bestimmt. Da dem Verein weder ein geeignetes Gelände noch die notwendigen finanziellen Mittel für den Bau einer eigenen Anlage zur Verfügung standen, wurde Professor Pummerer von den Gründungsmitgliedern beauftragt, Verhandlungen mit der Universität Erlangen über eine (Mit-) Benutzung der damals bestehenden insgesamt sechs Universitäts-Tennisplätze zu führen. Nicht zuletzt dank der guten Beziehungen des ersten Vorsitzenden (und Universitätsprofessors) konnten diese Verhandlungen bereits am 03. Juli 1934 erfolgreich in Form eines Pachtvertrages abgeschlossen werden. Noch im gleichen Jahr konnte somit der Spielbetrieb aufgenommen werden. Allerdings musste der TC Rot-Weiß laut Pachtvertrag drei Fünftel der Mitgliedsbeiträge an die Universität zur Erhaltung der Plätze abführen.
Ab dem Jahre 1935 nahmen die Mitglieder des Vereins dann bereits an Mannschaftswettkämpfen und Turnieren – mit mehr oder minder großem Erfolg – teil. Professor Pummerer gehörte damals immerhin zu den besten bayerischen Tennisspielern. Das rege Vereinsleben fand jedoch – vorerst – im Jahre 1939 mit Ausbruch des 2. Weltkrieges ein jähes Ende. Die Universität Erlangen konnte (oder durfte) den 1934 für die Dauer von 5 Jahren abgeschlossenen Pachtvertrag für die Mitbenutzung der Universitäts-Tennisplätze nicht verlängern.
Erst 11 Jahre später erwachte der TC Rot-Weiß zu neuem Leben: Im Jahre 1950 stellte die Stadt Erlangen dem Verein sein heutiges Gelände an der Ebrardstraße in Erbbaurecht zur Verfügung. Unter tätiger Mithilfe zahlreicher Mitglieder wurden in einem ersten Bauabschnitt 5 Plätze (die heutigen Plätze 1-5) gebaut. Als „Clubhaus“ diente eine einfache Holzbaracke zwischen den Plätzen 1 und 2. Bereits im Jahre 1951 folgte dann der Bau der Plätze 6-8.
Dieser zweite Anlauf stand unter einem glücklichen Stern, denn schon nach wenigen Jahren wurde der TC Rot-Weiß unter der Führung engagierter (und auch finanzkräftiger) Mitglieder wie Wilhelm Lehmann, Karl Klarner, Ulrich Bachmann, Max Anderlohr und Robert Daeschler – um nur einige zu nennen zu einem wichtigen Faktor im fränkischen, ja sogar im deutschen Tennis. Es war ein Glücksfall, dass Gottfried von Cramm, der legendäre „Tennisbaron“, Anfang der 50er Jahre aus beruflichen Gründen mehrmals Erlangen besuchte. So kam es nicht nur zu einigen interessanten Trainings-Matches mit einheimischen Spielern, sondern auch zu einer der damals noch seltenen internationalen Begegnungen: Im Jahre 1953 spielte Gottfried von Cramm vor über 1000 Zuschauern auf unserer Anlage gegen den südafrikanischen Daviscupspieler David Lurie und gewann mit 6:2, 6:2. Dieses Spiel hat nicht nur die vielen Zuschauer begeistert – es machte auch Mut zu „größeren Taten“. Bereits 1 Jahr später, im Jahre 1952, wurde auf der Anlage des TC Rot-Weiß das erste große internationale Tennisturnier um den „Goldenen Handschuh“ (in Anlehnung an die „Handschuh–Stadt“ Erlangen) durchgeführt. Welche Bedeutung dieses Turnier zur damaligen Zeit hatte, mag man daran erkennen, dass bereits 1954 mit Jaroslav Drobny aus der Tschechoslowakei einer der damals weltbesten (!) Tennisspieler in Erlangen spielte; Drobny war erst wenige Tage zuvor Wimbledon-Sieger geworden. In den Folgejahren entwickelte sich der „Goldene Handschuh“ zur festen Größe im deutschen Turnierkalender.
Allerdings waren Tennisturniere dieser Größenordnung auch schon zur damaligen Zeit nicht leicht zu finanzieren. Dies führte schließlich dazu, dass der Vorstand die Mitglieder des TC Rot-Weiß in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im April 1958 (einziger Tagesordnungspunkt: Durchführung des „Goldenen Handschuhes“) vor die Alternative stellte, entweder eine Sonderumlage in Höhe von DM 50 pro Mitglied zur Finanzierung des Turnieres zu bezahlen oder das Turnier ausfallen zu lassen. Mit knapper Mehrheit wurde beschlossen: „Der Goldene Handschuh wird für immer gestrichen“.
Im Jahre 1961 wurde schließlich das heutige Clubhaus errichtet. Auch beim Bau dieses – für die damaligen Verhältnisse außergewöhnlich stattlichen – Clubhauses gab es einige Finanzierungsschwierigkeiten. So musste jedes Mitglied neben dem normalen Jahresbeitrag „Bausteine“ erwerben bzw. an Dritte verkaufen, damit die Finanzierung sichergestellt werden konnte.
In den 60er Jahren waren dann vor allem die Juniorinnen-Mannschaften und später erste Damen-Mannschaft das „Aushängeschild“ des Vereins. Höhepunkt war die Bayerische Mannschafts-Meisterschaft der Damen im Jahre 1967.
Als im Jahre 1977 durch den DTB der „Deutsche Sommer-Grand-Prix“ (offene internationale Preisgeld-Turniere) ins Leben gerufen wurde, war es der seinerzeitige Spitzenspieler Tilman Schroeder, der sich mit dem TB 1888 Erlangen verabredete, im jährlichen Wechsel ein kombiniertes Damen- und Herrenturnier im Rahmen dieser Turnierserie zu veranstalten. Auch wenn die Teilnehmer dieses Turniers noch keine Weltranglistenpunkte in Erlangen erringen konnten, ging es doch bereits um viel Geld (beim letzten Turnier dieser Art im Jahre 1986 um immerhin insgesamt DM 28.000), weshalb die Erlanger Tennis-Freunde auch bei diesem Turnier „große Namen“ (unter anderen im Jahre 1980 die frühere Weltranglisten-Zweite Helga Masthoff als Siegerin des Damenturniers) bewundern konnten.
Ab 1986 zeichnete dann Günther Lang als Turnierdirektor an Stelle von Tilman Schroeder verantwortlich für das bis dahin sowohl für Damen als auch für Herren ausgeschriebene Turnier. Zeitgleich sah sich der Turnerbund nicht mehr in der Lage, im Wechsel mit dem TC Rot-Weiß jedes zweite Jahr das Turnier zu veranstalten. Auch stellte sich heraus, dass die Kapazität der Anlage des Vereines angesichts des stetig wachsenden kombinierten Damen- und Herrenturniers an ihre Grenzen gelangt war. So entschied die Vorstandschaft auf Anraten von Günther Lang, ab dem Jahre 1987 nur noch ein internationales Damen-Turnier auszurichten – dieses allerdings um Weltranglistenpunkte als „Internationale Bayerische Damen-Tennismeisterschaft“. Dieses neue Format war von Anfang an ein großer Erfolg - sowohl bei den Teilnehmerinnen, als auch bei Zuschauern und Sponsoren. Wurde im Jahre 1987 noch um insgesamt 10.000 US-Dollar Preisgeld gespielt, waren es ab 1988 25.000 US-Dollar und ab 1993 sogar 50.000 US-Dollar pro Jahr. Spielerinnen aus aller Herren Länder, darunter viele Spielerinnen, die kurze Zeit später unter den ersten Zwanzig der Weltrangliste zu finden waren, gaben sich zwischen 1987 und 1994 die Ehre, unter anderem Andrea Temesvari (Ungarn), Julie Halard (Frankreich), Amanda Coetzer (Südafrika) und nicht zuletzt Anke Huber (Deutschland).
Nachdem zu Beginn der 90er Jahre der „Tennis-Boom“ in Deutschland rückläufig war und gleichzeitig die Anforderungen der WTA an Weltranglisten-Turniere dieser Art immer größer wurden, entschlossen sich die Verantwortlichen schweren Herzens, ab dem Jahr 1995 auf die Ausrichtung der Internationalen Bayerischen Damen-Tennismeisterschaften zu verzichten. Dies bedeutete gleichzeitig das Ende der zweiten großen Turnierserie beim TC Rot-Weiß nach den Turnieren um den „Goldenen Handschuh“ in den 50er Jahren.
In der Folgezeit machte sich leider auch beim TC Rot-Weiß Erlangen die beginnende „Tennis-Rezession“ bemerkbar – sowohl sportlich als auch was die Mitgliederzahlen anbelangt. Mit dem Amtsantritt einer neuen Vorstandschaft unter Führung des 1. Vorsitzenden Reinhard Daeschler begann allerdings bald – entgegen dem Trend – ein durchaus bemerkenswerter (Wieder-)Aufstieg des TC Rot-Weiß Erlangen sowohl in sportlicher Hinsicht, als auch hinsichtlich der Mitgliederzahlen. So wuchs beispielsweise die Zahl der jugendlichen Mitglieder zwischen 2000 und 2009 von noch knapp 20 auf weit über 100. Mindestens ebenso erfreulich ist die Entwicklung im Bereich der Erwachsenen-Mannschaften, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht. Mit David Nowak hat der Verein seit Ende des Jahres 2000 wieder einen kompetenten Trainer, dessen Tennisschule sich – auch zum Wohle des Vereins – stetig wachsender Beliebtheit erfreut. Nicht zuletzt verfügt der Verein dank einer großzügigen Initiative von Reinhard Daeschler seit 2003 im Winter über eine moderne 3-Feld-Tennishalle, dank derer überhaupt erst eine kontinuierliche Arbeit der Tennisschule sowie eine kontinuierliche Jugendarbeit möglich wurde.
So kann der TC Rot-Weiß Erlangen zurecht stolz auf 75 Jahre großer Ereignisse und sportlicher Erfolge zurückblicken. Aus den bescheidenen Anfängen auf fremden Plätzen ist eine der schönsten Tennisanlagen der Umgebung, aus einer Holzbaracke zwischen den Plätzen 1 und 2 ein gemütliches Clubhaus im Grünen geworden. All dies – daran sei abschließend erinnert – wäre nicht möglich gewesen, wenn es in all den Jahren nicht unzählige ehrenamtlich engagierte Damen und Herren gegeben hätte, die bereit waren und sind, mit großem persönlichen Engagement Verantwortung für den Verein zu übernehmen. Stellvertretend sei deshalb an die ersten Vorsitzenden sowie an die Ehrenmitglieder des Vereines seit 1934 erinnert:
| 1934 – 1939 | Prof. Dr. Rudolf Pummerer |
| 1949 – 1951 | Fred Manhardt |
| 1952 – 1953 | Prof. Dr. Denecke |
| 1954 – 1955 | Dr. Karl Klarner |
| 1956 | Hans Bezold |
| 1957 – 1958 | Gregor Frisch |
| 1959 | Dr. Karl Klarner |
| 1960 – 1969 | Dr. Hans Wüstl |
| 1970 – 1971 | Siegfried Dachsel |
| 1972 | Dr. Ferdinand von Sturm |
| 1973 – 1991 | Siegfried Dachsel |
| 1992 – 1999 | Axel Graemer |
| ab 2000 |
Ehrenmitglieder:
Prof. Dr. Rudolf Pummerer (+)
Gottfried Freiherr von Cramm (+)
Dr. Ulrich Bachmann (+)
Dr. Karl Klarner (+)
Dr. Heinz Mussbach (+)
Siegfried Dachsel
Dr. Dieter Gassner
Heinz Wappenschmitt (+)
Günther Lang